„Narrenkappe in den Schrank, Hering auf den Tisch, Asche aufs Haupt – und Handy an.“ Nein, dies ist nicht mein Motto für die aktuelle Fastenzeit. Jenes schrieb und kommentierte ein Journalist vor 25 Jahren. Damals gab es „SMS-Fasten“ mit biblischen Worten aufs piepsende und brummende Handy. Und es wurden die „Sieben-Wochen-ohne-Themen“ abgearbeitet: kein Alkohol, kein Fleisch, kein Fernsehen, Auto-Fasten oder gar Zeiten „ohne Handy“ … Das ist irgendwie unlustig. Verzicht ist manchmal nicht falsch, doch nur die halbe biblische Botschaft.
Gerade die Zeit im Krankenhaus ist entsagungsreich genug. Vor Blutentnahmen oder OPs muss komplett auf Nahrung und Getränke (außer etwas Wasser) verzichtet werden. Manche Patientinnen und Patienten müssen über längere Zeiträume künstlich ernährt werden und das Schlucken später wieder mühsam erlernen. Der Weg zu einer schmackhaften Tasse Tee oder Kaffee und einer genussvollen Mahlzeit ist lang und entbehrungsreich.
Auch hier ist das Smartphone oder Tablet eine notwendige Verbindung zu Angehörigen und Freunden, ermöglicht Ablenkung, Kommunikation und den Kontakt zur Welt. Das Ladegerät bleibt eingesteckt, ein längeres Ladekabel und funktionierendes WLAN sind äußerst hilfreich. Somit heißt es „Handy an“, sooft und soweit dies möglich ist.
Eine lange und entbehrungsreiche Zeit im Krankenhaus kann als eine ganz eigene „Passionszeit“ erlebt werden – ein Begriff, der in den reformatorischen Kirchen für die Zeit des Fastens und Betens gebräuchlich ist. Gerade in einer Zeit mit Angst, Schmerz und Stress sind Menschen dankbar für kleine Gesten der Zuwendung, für Empathie und die Möglichkeiten der modernen Medizin. Angehörige und Freunde sind hoffentlich unterstützend da, und auch bisher ferner stehende Menschen, noch nicht so vertraute Geschichten, Bilder und Filme können in dieser Zeit wichtig werden. Schritt für Schritt gelingt es, wieder zurück ins Leben zu kommen und das eigene Leben bewusster zu gestalten.
In Ingeborg Bachmanns Erzählung „Das dreißigste Jahr“ ist ein junger Mann nach einem Unfall im Krankenhaus und wartet auf seine Genesung. Lange dauert es bis sich etwas in ihm ändert: „Aber jetzt wünschte er sich das Leben.“ Und er „fasste Vertrauen zu sich”. Am Ende heißt es in Anlehnung an Markus 2,11: „Ich sage dir: Steh auf und geh!“
Nicht anders ist es in der Fastenzeit, die uns darauf vorbereitet, das Fest des Lebens, christlich gesehen, an Ostern die Auferstehung Jesu Christi zu feiern.
Für die Klinikseelsorge
Dr. Benedikt Peter









