Maske - Coronavirus

Augen-Blicke

Ich stehe an der Haltestelle der Straßenbahn. Eine junge Frau neben mir ist mit gesenktem Kopf offensichtlich in ihr Handy vertieft. Kurz bevor die Bahn kommt, hebt sie den Kopf und schaut mich einen Moment lang an. Ihre Augen über der Maske strahlen; sie hat offensichtlich etwas Erfreuliches gelesen. Das Strahlen überträgt sich und hebt gleich auch meine Laune…

Ich klopfe an ein Patientenzimmer und öffne die Tür: Mir schaut eine ältere Dame entgegen. Gestern war ihr Blick noch sehr ängstlich; sie fürchtete sich vor dem Untersuchungsergebnis, doch heute ist ihren Augen die Erleichterung sofort anzusehen und ich freue mich mit ihr…

Ein Kind hüpft mir entgegen, einige Schritte vor seinen Eltern. Kurz vor mir stoppt es und schaut mich ganz offen und neugierig mit großen Augen an. Ich erwidere seinen Blick und es entsteht eine kurze, aber intensive Verbindung…

Es gibt sicher manche solcher Augen-Blicke, die uns im Laufe eines Tages geschenkt werden, wenn wir sie bewusst wahrnehmen und an uns heranlassen. Augenblicke, in denen der Alltag durchbrochen wird und - manchmal wirklich nur ganz kurz und ohne Worte – Beziehung entsteht.

Denn wenn mir jemand in die Augen schaut, dann signalisiert er oder sie ein Interesse an mir. Das kann auch schon einmal unangenehm sein, auch weil wir in unserem Kulturkreis eher daran gewöhnt sind, in öffentlichen Räumen vor uns hin oder aneinander zu schauen. Aber immer wieder erleben wir auch, dass es uns guttun kann, in den Blick zu kommen, uns gegenseitig anzusehen und damit auch Ansehen schenken zu lassen.

Wir dürfen etwas davon ahnen, was im jeweils anderen vorgeht; und da ist ja zurzeit, wo meist ein Teil unseres Gesichts durch eine Maske verdeckt ist der Augenkontakt besonders bedeutsam geworden. Manche haben mir auch schon erzählt, dass sie in den letzten beiden Jahren bei anderen viel aufmerksamer auf die Augen geachtet haben.

Vielleicht sind Ihnen ja auch besondere Augen-Blicke aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben, die Ihnen nahegegangen sind oder Sie besonders bewegt haben und die Sie in die kommenden Monate mit hinein nehmen; seien es Augen-Blicke, die Sie mit Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld geteilt haben oder aber medial vermittelte Momentaufnahmen wie erschöpfte Blicke von Pflegenden, Blicke von Menschen, die alles verloren haben, aber auch die Blicke von Menschen, die sich kurz ansahen und ohne große Worte gemeinsam anpackten, obwohl sie einander nicht kannten…

Augen-Blicke, die wir manchmal allzu leicht übergehen, die uns aber, wenn wir uns ihnen öffnen berühren und bereichern können.

Ich wünsche Ihnen auch für das Jahr 2022 viele intensive Augen-Blicke, die Sie anrühren und herausfordern, stärken und ermutigen, erfüllen und vielleicht auch mal hilfreich irritieren können. Seien Sie offen dafür und für den, der uns immer wieder solche Augenblicke schenkt.

Für das Team der Klinikseelsorge an der Uniklinik Köln

Petra Schmidt

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