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Blumenwiese - Frühling

Frühling

Ein Keim des vollen Lebens

Auf der Vorderseite steht in großer Schrift: „Frühling“.
Ist der profane Frühling ein eigenes Thema hier in unserem Infoblatt wert?

Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten … – zu all diesen besonderen Festzeiten und -tagen ist es verständlich, einen Impuls zum Nachdenken zu bekommen. Schließlich sind das religiös und kirchlich bedeutsame Kalendertage und Zeiten. Aber der „Frühling“? Wieso bekommt er eine eigene Rubrik?

Und was bedeutet mir der „Frühling“, wenn ich hier als Patient in der Uniklinik bin – Diagnostik und Therapien über mich ergehen lassen muss, von Schmerzen, Ängsten und Unsicherheit geplagt bin. Während ich sonst den Frühling genießen konnte, das Aufblühen der frühen Blumen, die Wärme der ersten Sonnenstrahlen, bin ich als Patient oder Patientin eingeschränkt, an das Bett gefesselt, ausgeschlossen. Ich nehme den Frühling nur durch das Fenster wahr. Es ist eher Winterzeit.

Bernhard Welte, ein Religionsphilosoph und Theologe des letzten Jahrhunderts schreibt: „Die Poesie des Frühlings wird oft genug wie eine hübsche, aber recht unnötige Randverzierung des Lebens erscheinen angesichts der Aufgaben, Sorgen, Pflichten und Plagen, die uns den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Aber von diesen „Randverzierungen“ führt eine besondere Spur empor zum Ewigen, empor zu Gott … Sollte Gott vielleicht die Frühlinge in ihrer Schönheit dazu erfunden haben, um uns vielgeplagten Menschen immer wieder jedes Jahr quer zu all unserer Plage und Mühsal ein Wort schöner Überredung zu sagen: Auch wo du nichts siehst, kann ein Keim vollen und guten Lebens versteckt sein. Es kommt sein Frühlingstag, schön wie der Erstling der Tage, da steht Blüte an Blüte, wo nur Stein und Erde war. Und man gedenkt nicht mehr dessen, wie lange man nichts anderes sah!“

So wie Bernhard Welte es sieht, kann der Frühling für uns Vielgeplagte ein Trostwort und eine Ermutigung sein. Der Frühling ist mehr als eine „hübsche Randverzierung“.
Der Frühling will uns locken, dass wir vertrauen: auch wo ich nichts sehe, kann sich Leben wieder entfalten. Es ist eine Verheißung, das Leben ist stärker …

Für die Klinikseelsorge
Theresia Tettling

Bernhard Welte, Gesammelte Schriften, Bd. V / 1, Herder, Freiburg 2011

Kreuz Kapelle UKK Christus
Kreuz Kapelle UKK

Ostern 2026

Zwei in Einem: Kreuz und Auferstehung

In der Kapelle im Bettenhaus hängt an der hell ausgeleuchteten Stirnwand eine überraschende Skulptur*, die an ihrer zentralen Position unschwer als Kreuz zu erkennen ist. Und doch darf verwundern, wie die Y-Form des Gabelkreuzes vom gekreuzigten Christus fast zurückgelassen wird: Nur noch die Spitzen der gestreckten Füße und die Handrücken sind mit den Balken verbunden, ansonsten steht er frei davor, anstatt – wie üblich – daran mit schwerem Leib zu hängen. Als ob er aus einer Höhle, aus einem sich öffnenden Portal hervorträte …   Da fällt dann auf, dass auch die Kreuzbalken überdimensional dick erscheinen und tatsächlich eher wie ein Hintergrund wirken, als wie das klassische Kreuz an dem der Corpus des Toten hängt.

Dennoch tritt der Gekreuzigte hier nicht als strahlend-verklärter Sieger hervor, wie ihn so manche Darstellungen der Auferstehung zeigen. Nein, schaut man genau hin, so trägt er die leidend ausgemergelten Gesichtszüge, wie sie besonders ausdrucksvoll bei den Gabelkreuzen vom Anfang des Hochmittelalters im Rheinland zu finden sind.

Deutlich wird: In diesem Bild sind übernommene Formen in einer ungewohnten Weise neu gesetzt und setzen Akzente. Dieser Leidenschristus tritt hervor, dem Betrachter entgegen, lässt sich sehen, ohne ihn anzuschauen, übersteht den Kreuzestod und doch übersteigt er ihn nicht. Lebendigkeit sieht eigentlich anders aus. Es ist höchstens der Anfangsmoment eines neuen Lebens, das hier noch gar nicht zur ‚Be-lebung‘ geworden ist; nur das Zurücksinken des Marterinstruments, die Verwechselbarkeit mit der Grabhöhle, der Bogen wie das zurückgelassene Leinentuch der Grabesruhe … der Moment der Osternacht, in dem der Todesschmerz ihm noch ins Gesicht geschrieben steht …

Und so ist der Gekreuzigte in diesem Kunst-Bild des Glaubens der Auferstandene, der dem leidenden Menschen nur einen Moment voraus ist, einen einzigen, kleinen Moment und deshalb – immer und immer – allen leidenden Menschen nahe bleibt. Keine Kumpelnähe ist das, auch keine mütterliche Trostnähe, keine aufmunternde Siegernähe, keine Nähe, die sich von alleine einstellt, sondern dann, wenn ein anderer ihn anblickt, aufblickt zu dem, der ihm in dieser Skulptur in dunklem und schwerem Material mit geöffneten Armen entgegentritt, weil ihn doch – ganz österlich – das Kreuz nicht mehr festzuhalten vermag.

Dr. N. Stapper, Pfr.

* Das Kunstwerk wurde 1965 in den Kölner Werkschulen zusammen mit einem Taufbecken und einem Altar für die Taufkapelle der Frauenklinik gefertigt. Nach deren Auflösung kam es in die neue Kapelle im Zentralbau der Uniklinik, während das Taufbecken in der Klinikkirche seinen Platz gefunden hat.

Menschen

Fastenzeit 2026

„Narrenkappe in den Schrank, Hering auf den Tisch, Asche aufs Haupt – und Handy an.“ Nein, dies ist nicht mein Motto für die aktuelle Fastenzeit. Jenes schrieb und kommentierte ein Journalist vor 25 Jahren. Damals gab es „SMS-Fasten“ mit biblischen Worten aufs piepsende und brummende Handy. Und es wurden die „Sieben-Wochen-ohne-Themen“ abgearbeitet: kein Alkohol, kein Fleisch, kein Fernsehen, Auto-Fasten oder gar Zeiten „ohne Handy“ … Das ist irgendwie unlustig. Verzicht ist manchmal nicht falsch, doch nur die halbe biblische Botschaft.

Gerade die Zeit im Krankenhaus ist entsagungsreich genug. Vor Blutentnahmen oder OPs muss komplett auf Nahrung und Getränke (außer etwas Wasser) verzichtet werden. Manche Patientinnen und Patienten müssen über längere Zeiträume künstlich ernährt werden und das Schlucken später wieder mühsam erlernen. Der Weg zu einer schmackhaften Tasse Tee oder Kaffee und einer genussvollen Mahlzeit ist lang und entbehrungsreich.

Auch hier ist das Smartphone oder Tablet eine notwendige Verbindung zu Angehörigen und Freunden, ermöglicht Ablenkung, Kommunikation und den Kontakt zur Welt. Das Ladegerät bleibt eingesteckt, ein längeres Ladekabel und funktionierendes WLAN sind äußerst hilfreich. Somit heißt es „Handy an“, sooft und soweit dies möglich ist.

Eine lange und entbehrungsreiche Zeit im Krankenhaus kann als eine ganz eigene „Passionszeit“ erlebt werden – ein Begriff, der in den reformatorischen Kirchen für die Zeit des Fastens und Betens gebräuchlich ist. Gerade in einer Zeit mit Angst, Schmerz und Stress sind Menschen dankbar für kleine Gesten der Zuwendung, für Empathie und die Möglichkeiten der modernen Medizin. Angehörige und Freunde sind hoffentlich unterstützend da, und auch bisher ferner stehende Menschen, noch nicht so vertraute Geschichten, Bilder und Filme können in dieser Zeit wichtig werden. Schritt für Schritt gelingt es, wieder zurück ins Leben zu kommen und das eigene Leben bewusster zu gestalten. 

In Ingeborg Bachmanns Erzählung „Das dreißigste Jahr“ ist ein junger Mann nach einem Unfall im Krankenhaus und wartet auf seine Genesung. Lange dauert es bis sich etwas in ihm ändert: „Aber jetzt wünschte er sich das Leben.“ Und er „fasste Vertrauen zu sich”. Am Ende heißt es in Anlehnung an Markus 2,11: „Ich sage dir: Steh auf und geh!“

Nicht anders ist es in der Fastenzeit, die uns darauf vorbereitet, das Fest des Lebens, christlich gesehen, an Ostern die Auferstehung Jesu Christi zu feiern.

Für die Klinikseelsorge
Dr. Benedikt Peter

Sonnenaufgang Meer

Am Jahresanfang 2026

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Ob dieser Mark Twain zugeschriebene Satz auch heute stimmt, darüber denken viele nach – angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus, im Blick auf die zerstörerische Macht des Krieges in der Ukraine oder bezüglich der Auseinandersetzung mit der politischen Situation in den Vereinigten Staaten. Wiederholt sich Vergangenes doch wieder, obwohl man dachte, aus den Schrecknissen damals für das Heute Lehren gezogen zu haben, um Wiederholungen mit furchtbarsten Auswirkungen zu vermeiden?

Ob sich Geschichte wiederholt oder nicht, eines stimmt in jedem Fall: Der Mensch wiederholt sich! Er macht heute die gleichen Fehler wie früher, erliegt den gleichen Versuchungen, leidet unter den gleichen Folgen seiner Schwächen, legt die gleichen missbräuchlichen Verhaltensweisen an den Tag. Er beschädigt andere wie eh und je aus arroganter Überheblichkeit, blindem Hass oder ignoranter Selbstbehauptung und erzeugt so viel Leid. Und (immer noch und immer wieder) grenzt der Mensch aus, macht nieder, vernichtet.

Der Mensch wiederholt sich – auch in dieser Hinsicht: Er solidarisiert sich heute wie früher mit Armen, schicksalhaft Geschlagenen, Verzweifelten; er ist zutiefst verlässlich, richtet auf, gibt Halt; er schenkt ermutigendes und befreiendes Zutrauen in das Gute und die Wahrheit, in Verstehen, Versöhnen, Vergeben – und vor allem: der Mensch wiederholt sich, in dem er (immer noch und immer wieder) glaubt und hofft und liebt!

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ In Psalm 8 ist das Nachdenken darüber festgehalten, dass Gott an seinem Geschöpf ‚Mensch‘ wohl einen Narren gefressen hat, an diesem faszinierend-Furcht einflößendem Ebenbild des Schöpfers, in dem überwältigende unendliche Liebe Raum gewinnen kann wie auch blinder, vernichtender Hass. So kann der Mensch den Menschen und dieser Erde beides sein: Segen und Fluch! Gott aber hält in ewiger Treue am Menschen fest – und an der heilvoll-schmerzhaften Fähigkeit des Menschen, als freies Geschöpf die Liebe seines Schöpfers zu erkennen und darauf dankbar und liebend zu antworten – durch Einsicht, Veränderung und Neuanfang.

Am Anfang des neuen Jahres 2026 – in dem wir wiederum die vielfältigen Folgen der „Wiederholung des Menschen“ erleben, erleiden oder heilsam erfahren werden – wünsche ich allen aus ganzem Herzen die verändernde, tiefe Erfahrung, dass Gott mich ganz persönlich meint und ruft und ermutigt und sendet, wie damals den Abraham: „Ein Segen sollst du sein!“ (Gen 12,2)

Für das Seelsorgeteam an der Uniklinik Köln
Pfarrer Mike Kolb

Monatsgedanken 2025

Ostern, Frühling, Pfingsten, Herbst, Advent & Weihnachten 2024

Ostern, Pfingsten, Sommer, Herbst & Weihnachten 2023

Frühling 2023

Januar & Februar 2023 - Fastenzeit 2023 & 2024

Gedanken & Bilder

Advent 2022

Herbst 2022

Sommer 2022

Pfingsten 2022

Frühling 2022

Ostern 2022

Fastenzeit 2022

Januar & Februar 2022

Die Geschichte zum Weihnachtsbild ...

Advent 2021

Vier Adventsbriefe mit Bildern und Impulsen aus dem Evangelischen Krankenhaus Weyertal

Herbst 2021

Sommer 2021

Pfingsten 2021

Zeit nach Ostern 2021

Fastenzeit 2021

Januar und Februar 2021

Weihnachten 2020

Advent 2020