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Wasserfall

Sommer 2022

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben…"

Wenn man die ersten Zeilen und Strophen aus diesem bekannten Gesangbuchlied (Evangelisches Gesangbuch, S. 503) liest, kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass das Lied für die Schönwetterphasen im Leben geschrieben ist.
Der Autor der Zeilen, der evangelische Pfarrer Paul Gerhardt, ist allerdings leidgeprüft: Vier seiner fünf Kinder versterben früh. Und es ist gerade einmal fünf Jahre her, dass der 30jährige Krieg zu Ende gegangen ist, als er 1653 den Liedtext schreibt. Von seiner Gemeinde sind von ehemals 1200 Gemeindegliedern noch 300 am Leben. Alle anderen sind verstorben, entweder ermordet oder sind Opfer von Pest und Cholera geworden.

Der Dichter schreibt diese Verse aus der Sorge um die Menschen heraus. Er fragt sich: Woher sollen sie nur die Kraft nehmen, weiterzuleben nach dem Schrecklichen, das sie gesehen und durchgemacht haben? Und deshalb lädt er mit seinem Lied die Menschen ein, nicht zu verzagen, sondern hinauszugehen ins Freie, sich die Schönheit der Natur anzusehen und das Wunder der Schöpfung Gottes wahrzunehmen, um wieder Mut und Zuversicht sammeln zu können. Die Sprache und die Theologie von Paul Gerhardt ist für uns heute nicht so ohne weiteres anschlussfähig. Und Gott sei Dank leben wir anders als die Menschen in der Zeit von Paul Gerhardt in einem intakten und relativ sicheren Land.

Aber die nicht enden wollende Pandemie, der Krieg in der Ukraine und die Sorge um unsere Umwelt belasten und bedrücken viele von uns. Die meisten haben sich deshalb den Sommer herbeigesehnt, weil sie damit die Hoffnung verbinden, wieder ein Stück sorgenfreier und ungezwungener leben zu können.

Jetzt steht der Sommer 2022 endlich vor der Tür! Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie es schaffen, die Annehmlichkeiten und Vorzüge, die diese Jahreszeit mit sich bringt, für sich zu nutzen. Dass es Ihnen gelingt, tief durchzuatmen, den Kopf frei zu bekommen und neue Kraft und Zuversicht zu schöpfen. Das wäre ganz im Sinne von Paul Gerhardts Lied:

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben ...“

Herzliche Sommergrüße
Klaus Peter Böttler

Geh aus, mein Herz und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinne;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

Paul Gerhardt

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