„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Ob dieser Mark Twain zugeschriebene Satz auch heute stimmt, darüber denken viele nach – angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus, im Blick auf die zerstörerische Macht des Krieges in der Ukraine oder bezüglich der Auseinandersetzung mit der politischen Situation in den Vereinigten Staaten. Wiederholt sich Vergangenes doch wieder, obwohl man dachte, aus den Schrecknissen damals für das Heute Lehren gezogen zu haben, um Wiederholungen mit furchtbarsten Auswirkungen zu vermeiden?
Ob sich Geschichte wiederholt oder nicht, eines stimmt in jedem Fall: Der Mensch wiederholt sich! Er macht heute die gleichen Fehler wie früher, erliegt den gleichen Versuchungen, leidet unter den gleichen Folgen seiner Schwächen, legt die gleichen missbräuchlichen Verhaltensweisen an den Tag. Er beschädigt andere wie eh und je aus arroganter Überheblichkeit, blindem Hass oder ignoranter Selbstbehauptung und erzeugt so viel Leid. Und (immer noch und immer wieder) grenzt der Mensch aus, macht nieder, vernichtet.
Der Mensch wiederholt sich – auch in dieser Hinsicht: Er solidarisiert sich heute wie früher mit Armen, schicksalhaft Geschlagenen, Verzweifelten; er ist zutiefst verlässlich, richtet auf, gibt Halt; er schenkt ermutigendes und befreiendes Zutrauen in das Gute und die Wahrheit, in Verstehen, Versöhnen, Vergeben – und vor allem: der Mensch wiederholt sich, in dem er (immer noch und immer wieder) glaubt und hofft und liebt!
„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ In Psalm 8 ist das Nachdenken darüber festgehalten, dass Gott an seinem Geschöpf ‚Mensch‘ wohl einen Narren gefressen hat, an diesem faszinierend-Furcht einflößendem Ebenbild des Schöpfers, in dem überwältigende unendliche Liebe Raum gewinnen kann wie auch blinder, vernichtender Hass. So kann der Mensch den Menschen und dieser Erde beides sein: Segen und Fluch! Gott aber hält in ewiger Treue am Menschen fest – und an der heilvoll-schmerzhaften Fähigkeit des Menschen, als freies Geschöpf die Liebe seines Schöpfers zu erkennen und darauf dankbar und liebend zu antworten – durch Einsicht, Veränderung und Neuanfang.
Am Anfang des neuen Jahres 2026 – in dem wir wiederum die vielfältigen Folgen der „Wiederholung des Menschen“ erleben, erleiden oder heilsam erfahren werden – wünsche ich allen aus ganzem Herzen die verändernde, tiefe Erfahrung, dass Gott mich ganz persönlich meint und ruft und ermutigt und sendet, wie damals den Abraham: „Ein Segen sollst du sein!“ (Gen 12,2)
Für das Seelsorgeteam an der Uniklinik Köln
Pfarrer Mike Kolb








